Was ist Geocaching?

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Geocaching, auch GPS-Schnitzeljagd, ist eine Art elektronische Schatzsuche oder Schnitzeljagd. Die Verstecke („Geocaches“, kurz „Caches“) werden anhand geographischer Koordinaten im Internet veröffentlicht und können anschließend mit Hilfe eines GPS-Empfängers gesucht werden.

Ein Geocache ist in der Regel ein wasserdichter Behälter, in dem sich ein Logbuch sowie verschiedene Tauschgegenstände befinden. Jeder Besucher trägt sich in das Logbuch ein, um seine erfolgreiche Suche zu dokumentieren. Anschließend wird der Geocache wieder an der Stelle versteckt, an der er zuvor gefunden wurde. Der Fund wird im Internet auf der zugehörigen Seite vermerkt und gegebenenfalls durch Fotos ergänzt. So können auch andere Personen – insbesondere der Verstecker oder „Owner“ (englisch „Eigentümer“) – die Geschehnisse rund um den Geocache verfolgen.

Geschichte 

Die Anfänge 

Das Geocaching lässt sich zurückführen auf das schon ältere Letterboxing, bei dem ebenfalls an verschiedenen Orten Behälter versteckt werden, die jedoch ohne GPS-Unterstützung gesucht werden. Die Suche erfolgt anhand von Hinweisen und eines Kompasses. Im Behälter ist ein spezieller Stempel, mit dem man den Fund in seinem persönlichen Logbook vermerkt. Letterboxing gab es nachweislich bereits 1854 in Dartmoor und ist dort nach wie vor populär.

Seit den 1980ern praktizierte Nuuksion Metsäsissit in der Gegend um Helsinki in Finnland nur mit Hilfe einer Landkarte und einer Genauigkeit von 10 Metern ebenfalls Schnitzeljagden, bei denen Behälter mit verschiedenem Inhalt versteckt wurden. Anschließend gab er die ermittelten Koordinaten an Bekannte, die sich damit auf die Schatzsuche machen konnten. Ab den 1990er Jahren wurde zum ersten Mal das GPS-Signal verwendet, um die Genauigkeit der mittels Landkarten gefundenen Koordinaten zu verbessern.

Beginn der modernen Schnitzeljagd 

Erst durch die Abschaltung der künstlichen Verschlechterung der Genauigkeit (Selective Availability) des GPS-Signals durch die US-Regierung am 2. Mai 2000 wurde der Einsatz der GPS-Geräte auch im privaten Einsatzgebiet praktikabel. Die bisherige Genauigkeit der Positionsbestimmung per GPS-Signal von ca. 100 Meter wurde für nichtmilitärische Nutzer auf etwa 10 Meter erhöht. Um diese Verbesserung zu feiern, schlug Dave Ulmer am 3. Mai 2000 in der Usenet-Newsgroup sci.geo.satellite-nav unter dem Titel The Great American GPS Stash Hunt vor, ein weltweites Spiel zu starten und an besonderen Orten Behälter mit Tauschobjekten und einem Logbuch zu verstecken.[1] Als Regeln formulierte er „Get some Stuff, Leave some Stuff“ – „Nimm Zeugs heraus, hinterlasse Zeugs“ und das Führen eines Logbuchs, in dem sich die Finder eintragen und den Tausch von Gegenständen dokumentieren können.

Der erste Geocache 

Noch am 3. Mai 2000 vergrub Dave Ulmer in der Nähe der Stadt Portland im US-Bundesstaat Oregon an der Position 45° 17′ 28″ N, 122° 24′ 48″ W45.291-122.4133337 einen schwarzen Plastikeimer, in dem er neben CDs, einer Videokassette, Geldscheinen, einem Buch und einer Steinschleuder auch eine Konservendose mit Bohnen hinterlegte. Anschließend veröffentlichte er die Koordinaten des Verstecks in der Newsgroup.[2]

Innerhalb eines Tages nach der Veröffentlichung wurde der Stash (englisch Geheimversteck, geheimes Lager) als erstes von Mike Teague gefunden. Drei Tage später erstellte dieser eine private Website, auf der er die wachsende Anzahl an Stashes und deren Koordinaten dokumentierte.[3]

Der Original-Stash von Dave Ulmer wurde später stark beschädigt und existiert in der ursprünglichen Form nicht mehr.[4] Als Erinnerung wurde an der ursprünglichen Stelle ein neuer Geocache und eine Gedenktafel platziert.[5] Während der Vorbereitungen für die Aufstellung der Platte wurde vor Ort die alte Konservendose gefunden, die als Tauschgegenstand im ersten Stash gelegen hatte. Mittlerweile wird diese als Travelbug bei Events gezeigt.[6]

Am 30. Mai 2000 wurde das Wort Geocaching zum ersten Mal in einer Newsgroup vorgeschlagen, um negative Assoziationen des Wortes Stash zu vermeiden. Am 2. September 2000 teilte Jeremy Irish in dieser Newsgroup mit, dass er unter der Adresse geocaching.com eine eigene Website zur Auflistung der Caches erstellt hatte. Diese übernahm alle bisherigen Eintragungen von der alten Seite, die Mike Teague aus Zeitgründen nicht weiter aktualisieren konnte.

Weltweite Verbreitung 

Der erste Cache in Deutschland wurde am 2. Oktober 2000 südlich von Berlin versteckt und trägt den Namen First Germany[7]. Mit über 15.100 liegen die meisten Caches in Nordrhein-Westfalen, während die größte Cache-Dichte mit 1,62 Caches/km² in Hamburg zu finden ist (Stand: 30. März 2009) [8].

Laut der Datenbank des größten Geocache-Verzeichnisses existieren heute weltweit insgesamt über 790.000 aktive Caches (Stand April 2009) [9], davon befinden sich über 89.000 in Deutschland, über 7.000 in der Schweiz und über 8.000 in Österreich (Stand: 21. April 2009). In den USA befinden sich mit 392.413 die meisten Caches (Stand: 8. März 2009) [10].

Die größte Cache-pro-Kopf-Verbreitung hatten im Januar 2007 die nordischen Länder Schweden, Norwegen, Finnland und Dänemark.[11]

Der Geocache 

Bei einem Cache handelt es sich zumeist um einen festen, wasserdicht verschließbaren Behälter, der somit den Inhalt vor Witterungs- und anderen Einflüssen schützen kann. Der Behälter selbst kann unterschiedliche Formen haben, von einer kleinen Filmdose über eine einfache Frischhaltedose aus Plastik, bis hin zur Munitionskiste aus Stahl, oder gar einem versteckten Tresor, dessen Kombination erst herausgefunden werden muss. Oft wird die Größe des Behälters durch den Ort des Verstecks bestimmt. Für die Cachebehälter haben sich verschiedene Größeneinteilungen etabliert:

Nano oder Nano-Micro
Winziger Cache-Behälter, Durchmesser meist unter 1 cm, der lediglich einen kleinen Zettel als Logbuch enthält. Oft magnetisch, damit er an Denkmälern oder ähnlichem unauffällig versteckt werden kann.
Micro oder Mini
Sehr kleine Cache-Behälter, die in der Regel oft nur einen Zettel und Stift enthalten. Diese sind zumeist in urbanen Gegenden oder an Gebäuden zu finden, wo es keine Versteckmöglichkeiten für größere Behälter gibt. Diese Art von Behälter werden auch gerne als Zwischenstationen bei Multi-Caches eingesetzt. Oft werden Filmdosen dafür verwendet.
Small
Kleine Behälter, die neben einem Logbuch noch Platz für kleinere Gegenstände bieten.
Regular
Die eigentliche Standard-Größe eines Caches, der auch Platz für mehrere Travelbugs oder Gegenstände bietet. Behälter dieser Größe können von einem Liter bis zu mehreren Litern Inhalt fassen.
Large
Große Behälter, die ein Maximum an Platz bieten und somit auch außergewöhnliche Tauschobjekte fassen können.

 

 

Beispielhafter Geocache-Inhalt

Der Cachebehälter enthält neben dem Logbuch zumeist Tauschgegenstände. Wurde ein Cache gefunden, kann der Finder einen oder mehrere der enthaltenen Gegenstände entnehmen und zum Tausch etwas anderes dafür hinterlegen. Dieser Tauschhandel (Trading) wird dann im Logbuch und auf der zugehörigen Internetseite vermerkt. Es besteht kein Zwang zum Tauschen; bei manchen Caches (beispielsweise Micro-Caches) besteht aus Platzgründen auch gar keine Möglichkeit. Allerdings gilt beim Tauschen immer der Grundsatz „Trade up, trade equal or don’t trade“; das heißt die entnommenen und eingebrachten Gegenstände sollen in einem gesunden Wertverhältnis stehen. Übersteigt der Wert der entnommenen Gegenstände die der hinterlassenen deutlich, so wird dies als Downtrade oder Downtrading bezeichnet und ist weitgehend verpönt – im Gegensatz zu Uptrade oder Uptrading, also dem Hinterlassen eines höherwertigen Tauschobjekts. Hat man nichts Geeignetes zum Tauschen, bietet es sich an, auf einen Tausch zu verzichten. Ebenso ist es nicht sinnvoll, Lebensmittel oder beispielsweise zeitlich beschränkte Gutscheine zu hinterlassen, da manche Caches nur selten gefunden werden und Lebensmittel Tiere anziehen. Da auch Familien mit Kindern auf „Schatzsuche“ gehen, sind Gegenstände ohne Jugendfreigabe ebenfalls tabu.

Jeder Cache sollte als Grundausstattung eine Art „Gebrauchsanweisung“ beinhalten, damit eventuelle Zufallsfinder wissen, worum es sich bei dem Behälter handelt und ihn somit nicht als Müll oder sogar als Bedrohung ansehen.

Trackables 

 

 

Travel-BugErkennungsmarken mit Nummer

 

 

Geocoin

Neben alltäglichen Tauschobjekten gibt es so genannte Trackables, zu den verbreitetesten zählen die Travel Bugs (englisch „bitten by the travel bug“ = „vom Reisefieber gepackt“). Dies sind Gegenstände, die von Geocachern von einem Cache zu einem anderen transportiert werden und deren dabei zurückgelegter Weg auf speziellen Internetseiten protokolliert wird. Zu diesem Zweck ist jeder Travel Bug über eine eindeutige Zahlenkombination identifizierbar. Diese Nummer ist (bei den Exemplaren von geocaching.com) auf zwei Alu-Marken geprägt, wie sie in ähnlicher Form vom Militär verwendet werden („Dog Tag – Hundemarke“). Eine dieser Marken bleibt immer bei demjenigen, der den Travel Bug initiiert hat, die andere wird an dem Gegenstand befestigt. Der Initiator eines Travel Bugs kann zusätzlich zum einfachen Reisen spezielle Aufgaben für den Travel Bug definieren. So soll sich ein Travel Bug beispielsweise nur in einem bestimmten Land aufhalten, ein bestimmtes Ziel erreichen oder bevorzugt nur an bestimmten Orten abgelegt werden. Anhand der Caches, in denen der Travel Bug landet, wird die Distanz berechnet, die der Travel Bug zurückgelegt hat (Luftlinie). Gelegentlich schließen sich auch Cacher zusammen, um ein Travel-Bug-Rennen zu veranstalten.

Da die TravelBugs von geocaching.com nur durch den kostenpflichtigen Erwerb eines Dog Tag registriert werden können, etablieren sich inzwischen auch kostenlose alternative Angebote wie zum Beispiel GeoKrety (griechisch „geo“ = Erde und polnisch „krety“ = Maulwürfe), bei denen jeder Nutzer die Identifikationskennzeichnung selber erstellen kann. Nachteil der kostenlosen Travel Bug-Variante ist, dass die Bewegung des Objektes dann auf kommerziell betriebenen Geocaching-Webseiten oft nicht oder nicht unmittelbar mit der Cachebeschreibung protokolliert werden kann. Webseiten wie GeoKrety bieten aber alle sonst auch verfügbaren Funktionen wie Kartendarstellung, Entfernungsberechnung und so weiter.

Eine spezielle Variante von Travel Bugs sind so genannte Geocoins. Diese meist aufwändig produzierten und zum Teil recht individuell gestalteten Medaillen sind seltener und daher begehrter als die herkömmlichen Travel Bugs. Geocoins gelten folglich als besondere Sammel- und Tauschobjekte.

Verstecke und Varianten 

 

 

Baumwurzelversteck eines Geocaches

Aus Rücksicht auf die Natur ist das Vergraben von Caches verpönt und bei geocaching.com auch in den Nutzungsbedingungen ausdrücklich untersagt. Daher werden überwiegend bereits vorhandene natürliche oder künstliche Hohlräume als Versteck verwendet: Kleine Höhlen, Nischen zwischen Felsen oder Baumwurzeln, Mauerritzen, alte Gebäude und so weiter. Um die Gefahr von Zufallsfunden zu mindern und die Suche zu erschweren, sind insbesondere bodennahe Verstecke in der Regel auch mit vor Ort verfügbaren Materialien wie Laub, Rinde, Moos, Steinen oder Zweigen getarnt.

Caches werden üblicherweise jeweils mit einer Angabe zum Schwierigkeitsgrad der Wegstrecke und des Geländes (terrain), und zum Schwierigkeitsgrad der mit dem Cache verbundenen Aufgaben (difficulty) bewertet. Hiermit lässt sich ungefähr andeuten, wie aufwendig die Suche ist. Besonders hervorzuheben sind Caches, die nur mit spezieller Ausrüstung erreichbar sind. Dies kann von einer einfachen Taschenlampe bis hin zur Bergsteiger- oder Tauchausrüstung reichen. Mögliche Elemente einer Cache-Suche können das Lösen von Rätsel- oder Rechenaufgaben, das Erklettern von Bäumen oder das Erkunden von Grotten und Höhlen sein. Die große Mehrheit erfordert jedoch nur einen GPS-Empfänger und Zeit.

Caches lassen sich anhand ihrer Aufgabenstellung in verschiedene Kategorien unterteilen, die wichtigsten sind:

  • Der „einfache“ Cache (Traditional-Caches), bei dem direkt die Position des Verstecks angegeben ist.
  • Mehrstufige Caches (Multi-Caches oder Offset-Caches), bei denen man mehrere Orte mit Hinweisen auf den jeweils nächsten Ort bzw. das eigentliche Versteck aufsuchen muss.
  • Rätsel-Caches (Mystery-Caches), die schon im Vorfeld eine Recherche oder Knobelei erfordern.
  • Virtuelle Caches (Virtueller Caches), bei denen weder ein Cachebehälter noch ein Logbuch vorhanden sind.

Traditional Cache 

Die erste und naheliegendste Kategorie eines Geocaches ist der einfache oder Traditional Cache. Die meisten Caches dieser Art sind an oder in der Nähe von besonderen Orten versteckt. Die im Internet veröffentlichten Koordinaten zeigen möglichst genau auf die Stelle, an der der Cachebehälter zu finden ist. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um markante Punkte, die der erfahrene Geocacher schon aus etwas größerer Entfernung ausmachen kann. Alleine die Bezeichnung eines „einfachen“ Caches bedeutet jedoch noch lange nicht, dass das letztendliche Auffinden genauso einfach ist. So kann der Behälter vielleicht zwischen Baumwurzeln, in einem Loch in einer Wand oder unter einem Steinhaufen versteckt sein, aber es kann auch vorkommen, dass dieses vergleichsweise einfache Versteck erst durch eine tagelange Wüstenexpedition, einen schweißtreibenden Bergaufstieg oder einen Tauchgang erreicht werden kann. Bei manchen Caches kann man mit dem Auto bis auf wenige Meter heranfahren und muss nicht lange suchen (sogenannte drive-in– oder park-n-grab-Caches).

Die ersten Caches waren solche einfachen Caches, weshalb sie auch als Traditional bezeichnet werden.

Multi-Cache 

Bei einem Multi-Cache ist mehr als eine Station (Stages) zu absolvieren, bis das endgültige Versteck gefunden werden kann. Die Schwierigkeit wird hier in Abhängigkeit von den unterwegs zu lösenden Aufgaben oder von der Art der zu findenden Hinweise und natürlich in Abhängigkeit vom letztendlichen Versteck beurteilt. Die Länge und die Beschaffenheit der zu absolvierenden Wegstrecke bestimmt die Terrain-Bewertung.

Es kann hauptsächlich zwischen zwei Arten von Multi-Caches unterschieden werden. Bei der einen Variante sind die Koordinaten der einzelnen Stationen in der Beschreibung angegeben und an diesen erhält man Hinweise, die zusammengesetzt die Koordinate des Cache-Behälters angeben. Bei der anderen Variante wird nur die erste Station angegeben, an der sich ein Hinweis auf die zweite Station befindet. Dort lässt sich dann die dritte herausfinden und so weiter.

An den jeweiligen Stationen können Hinweise versteckt worden sein, aber auch vorhandene Landschaftsmarken als Hinweis genutzt werden. (Beispiel: An Station 2 steht eine Infotafel – wie viele Tiere sind auf dieser abgebildet?)

Ein Nacht-Cache ist in der Regel ein Multi-Cache mit der Besonderheit, dass die notwendigen Stationen und Hinweise nur bei teilweiser oder absoluter Dunkelheit wahrgenommen werden können. Die Stationen haben Reflektoren, die mit einer einfachen Taschenlampe angeleuchtet werden, blinkende LEDs, akustische Signalgeber, Lichtschranken, Wecker oder andere technische Spielereien. Hier übertrumpfen sich die Möglichkeiten und Ideen gegenseitig, um dem Suchenden immer neue Herausforderungen zu stellen. Manchmal braucht man spezielle Geräte (Nachtsichtgerät, Metalldetektor, Funkgerät, UV-Licht und andere), um weitere Hinweise aufspüren zu können.

Mystery-Cache 

Bei einem Mystery-Cache (auch: Puzzle-Cache oder Rätsel-Cache) muss zunächst ein Rätsel gelöst werden, aus dem sich der Startpunkt der Suche ergibt. Die angegebene Koordinate ist meist nicht der Startpunkt. Sie sollte aber in der Nähe des tatsächlichen Startpunktes liegen (in maximal 3 km Entfernung), um den Cache regional richtig zuordnen zu können.

Das Rätsel kann sehr unterschiedlich sein. Es gibt mathematische Rätsel, trigonometrische Aufgaben, Literaturaufgaben, Google-Recherchen, Sudokus, Bilderrätsel und vieles andere. Die eigentliche Suche beginnt mit der Koordinate, die sich aus der Lösung des Rätsels ergeben hat. Diese Koordinate kann schon der Cache selbst sein, wie beim Traditional-Cache. Es kann sich aber auch um den Beginn eines Multi-Caches oder eines Nachtcaches handeln.

Virtueller Cache 

 

 

Geocacher vor einem Earth-Cache

Es gibt auch Caches, bei denen weder Behälter noch Logbuch vorhanden sind, so beispielsweise virtuelle Caches, Locationless Caches, Earthcaches und Webcam Caches. Insbesondere die sogenannten Couchpotato-Caches haben nichts mehr mit der ursprünglichen Idee des Geocachings zu tun, da hier zu keinem Zeitpunkt der „Suche“ das Haus verlassen werden muss und auch kein GPS-Gerät benötigt wird. Trotzdem halten einige Cacher auch die Suche nach so einem „Cache“ für Geocaching. Virtuelle Caches, Webcam-Caches, und so weiter werden heute auf der Seite geocaching.com nicht mehr freigeschaltet.

Eine besondere Form sind Earth-Caches die bei geologisch interessanten Stelle liegen. (Beispiele hierfür sind: Moränen oder Findlinge.) Um den Fund eines Earth-Cache zu dokumentieren, ist es für gewöhnlich notwendig, sich selbst mit seinem GPS-Empfänger an der angegebenen Stelle zu fotografieren und dieses Bild dann im Internet zur Ansicht zu stellen. Da der Besuch eines Earth-Cache zudem einen Lernaspekt haben soll, sind darüber hinaus noch bestimmte Aufgaben zu lösen (wie das Ausmessen der Größe eines Findlings oder die Beantwortung einer oder mehrerer Fragen) und deren Lösung per E-Mail an den Besitzer des Caches zu schicken. Die Begutachtung und Freischaltung eines Earth-Cache geschieht durch die Geological Society of America. Außerdem besteht die Möglichkeit, an den Earthcache Masters teilzunehmen. Dafür muss man vorgegebene Bedingungen erfüllen, dann kann man sich kostenlos eine Earthcache-Nadel zuschicken lassen.

Event-Cache 

Der Event-Cache ist eine spezielle Form des Geocaches. Hierbei handelt es sich um ein Ereignis, das an einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Zeit stattfindet oder beginnt. Die häufigste Form eines Event-Caches ist ein gemütliches Beisammensein mehrerer Geocacher mit Stammtischcharakter. Es ist aber genauso gut möglich, dass ein Event-Cache aus einem Multi-Cache mit ganz besonderen Anforderungen besteht, die nicht dauerhaft vor Ort sein können oder durch fachkundige Personen betreut werden. Event-Caches sind häufig die geistige Geburtsstätte neuer, anspruchsvoller Caches, da sich dort Geocacher aus der Region treffen und über neue Ideen diskutieren.

Auch für Einsteiger bieten Event-Caches die Möglichkeit, sich mit dem Thema vertraut zu machen, Fragen zu stellen und Anregungen zu finden. Weiterhin bieten sie die Gelegenheit, die Personen hinter den Log-Einträgen im Internet und in den Logbüchern einmal persönlich kennenzulernen. Oftmals werden Telefonnummern ausgetauscht, nicht zuletzt, um sich bei Problemen bei der Cache-Suche per Handy an einen der Cachefinder oder sogar den Cacheausleger mit der Bitte um einen diskreten Tipp wenden zu können. Inwiefern diese „Telefonjoker“-Hilfe im Sinne des Spiels ist, wird mitunter kontrovers diskutiert.

Eine besondere Form eines Event-Caches ist das Cache in – Trash out (CITO). Bei diesem Event wird vom Owner ein bestimmtes Gebiet ausgesucht, in dem dann Schrott und Müll eingesammelt und beseitigt wird. Oft stellt die jeweilige Stadt Müllsäcke, Handschuhe und Greifzangen zur Verfügung. Wie der Name (Cache in – Trash out) schon sagt, wird nach dem Säubern der Gegend meist ein Erinnerungs-Cache ausgelegt. Darüber hinaus sind alle Geocacher aufgerufen, CITO grundsätzlich bei jeder Suche zu betreiben und die Natur von Unrat zu befreien.

Letterboxing 

Das schon ältere Letterboxing könnte man als Geocaching ohne GPS auffassen. Auch hier geht es um die Suche von Schätzen anhand von Hinweisen, die hier jedoch ohne Zuhilfenahme von genauen Koordinaten, sondern nur anhand der Beschreibungen und eines Kompasses lokalisiert werden müssen. Eine Besonderheit des Letterboxing besteht darin, dass im Schatz ein spezieller Stempel enthalten ist, der das persönliche Logbuch eines Finders zieren darf, so wie umgekehrt der persönliche Stempelabdruck eines jeden Finders im Logbuch des Schatzes hinterlassen wird. Eine besonders lange und vielfältige Tradition hat das Letterboxing in Dartmoor. Dort existieren etwa 3000 Letterboxes.

Es gibt dort echte Letterboxfreaks. Nichts anderes als die umtriebige Suche nach neuen „Boxes“ treibt diese Menschen. Natürlich ist es mittlerweile möglich, Bücher mit Verzeichnissen vieler Briefkastenorte zu kaufen. Man kann auch jederzeit neue „Briefkästen“ einrichten.

Die in den Letterboxes befindlichen Briefe sind dann vom Finder (so die Idee des Letterboxing) mit einem Hinweis (eigener Stempelabdruck) und dem zurückgelassenen Stempel des Vorbenutzers der Letterbox, an den Besitzer zu senden, ähnlich einer Flaschenpostsendung, bei der der Sender auf eine Antwort vom Finder wartet.

Eine Variante der Letterboxes sind die „Moving Boxes“: Kleine Schachteln, die sich in den größeren Behältern befinden. Man schreibt hinein, wo man sie gefunden hat und trägt sie weiter bis zu nächsten Letterbox, wo man sie für den nächsten Wanderer hinterlässt.

Insgesamt gibt es angeblich über 3000 Letterboxes in Dartmoor. Sie sind alle verschieden, manche sind dekoriert und viele sind mit witzigen und humorvollen Kommentaren versehen. Wieder andere enthalten Informationen über die Geschichte oder Legenden des Moors. Wenn ein Besucher eine solche Letterbox findet, stempelt und unterschreibt er das Gästebuch. Mancher hat sein eigenes „Letterbox Book“, in das er alle Stempel einträgt, die er findet. Viele haben einen eigenen Stempel, den sie dann im Austausch mit dem Gefundenen in der Box lassen.

Wherigo-Cache 

Wherigo ist eine Plattform für GPS-gestützte Adventure-Games in der Realität und seit Frühjahr 2008 ein neuer Cache-Typ bei Geocaching.com. Das GPS führt Spieler, die auf ihrem GPS-Gerät (zum Beispiel einem PDA oder dem Garmin Colorado 300) eine entsprechende Cartridge laden, an eine gewünschte Stelle, von der sie dann mit virtuellen Objekten und Charakteren interagieren können. Die Möglichkeiten von Wherigo sind sehr umfangreich, so kann man beispielsweise bei Annäherung an einzelne Orte bestimmte Bilder oder Texte mit Aufgaben anzeigen. Besonders reizvoll erscheint Wherigo in den Fällen, in denen nicht nur lineare Abläufe dargestellt werden, sondern der Anwender selber entscheiden kann, in welcher Reihenfolge er einzelne Stationen abarbeitet. Die wesentliche Arbeit steckt bei Wherigo darin, die Cartridge zu entwickeln. Es ist darüber hinaus erwähnenswert, dass Garmin und Groundspeak (der Betreiber von geocaching.com) offensichtlich so eng zusammenarbeiten, dass ein neues Garmin-Gerät direkt die für Wherigo-Adventures notwendigen Cartridges laden und abspielen kann.

Sonstiges 

Lost Places stellen keinen eigenen Cache-Typ dar, sondern sind nur ein besonderes Versteck. Dabei werden, oft in Verbindung mit lustigen, spannenden oder auch gruseligen Hintergrundgeschichten, verlassene und herrenlose Gebäude mit in die Spurensuche einbezogen. So kann es sein, dass man als Indiana Jones in alten Ruinen sucht oder einen fiktiven Mord in einer Fabrikanlage aufklären soll. Manche dieser „verlorenen Orte“ sind auch alte Bunkeranlagen im Wald oder sogar ganze aufgegebene Dörfer.

Ein Moving Cache ist ein Geocache, der vom Finder mitgenommen und an einer anderen Stelle neu versteckt wird. Die Koordinaten des alten Verstecks werden durch die des neuen ersetzt. Zwei seltenere Varianten sind zum einen das Tragen eines „Moving Caches“, wenn man unterwegs ist; hierbei wird die Möglichkeit eingeräumt, die Position des Caches live am Computer oder einem Mobiltelefon mit Internetfunktion zu verfolgen; zum anderen gibt es „Moving Caches“, die man in anderen Caches finden und mitnehmen kann und bei einer weiteren Suche in einem anderen Cache platziert. Die letztere Variante ähnelt vom Prinzip einem „Travel Bug“. „Moving Caches“ jeder Art sind in der Datenbank geocaching.com nicht zugelassen, in anderen Datenbanken aber möglich. Es gibt auch „Moving Caches“, die sozusagen als OpenSource-Projekt angelegt sind. Der Besitzer („Owner“) legt die Kennung, mit der er den Schatz gelegt hat, in den Schatz und gibt Regeln vor, anhand deren ein Finder sich des Schatzes bemächtigen kann und diesen verändern oder an einen anderen Platz bringen kann.

Geocache-Datenbanken 

Durch die schnelle Verbreitung des Geocaching und die wachsende Anzahl an Geocaches entstand schnell die Notwendigkeit, diese in einer gemeinsamen Datenbank zu katalogisieren und den Nutzern über das Internet komfortabel zur Verfügung zu stellen. Die bekannteste und umfangreichste Datenbank ist Geocaching.com, die seit den Anfängen im Jahr 2000 existiert und weltweit über 790.000 [9] Geocaches enthält (Stand Mai 2009). Weitere Geocache-Datenbanken sind beispielsweise Navicache.com, Terracaching.com und Opencaching.de. Daneben gibt es länderspezifische Geocaching-Portale wie Geocaching.de, Geocache.at und Geocache.ch.

Ausrüstung 

GPS-Empfänger 

 

 

Verschiedene tragbare GPS-Empfänger

 

 

Geocaching mit einfachem Telefon und GPS-Empfänger

Zum Auffinden der Caches reicht ein einfacher GPS-Empfänger. Es kann aber vorteilhaft sein, wenn das Gerät zusätzlich über Straßenkarten und entsprechende Navigationsfunktionen verfügt. Damit kann man leichter zum Zielgebiet finden, besonders wenn man nicht ortskundig ist. Neben den teureren, dedizierten GPS-Handgeräten bieten diese Funktionalität unter anderem Notebooks, PDA-Geräte sowie Mobiltelefone (letztere nur unter bestimmten Voraussetzungen), jeweils entweder mit eingebautem oder mit externem GPS-Empfänger. Gerade PDAs oder Smartphones in Verbindung mit einem GPS-Empfänger bieten sich wegen der Kompaktheit, der flexiblen Nutzungsmöglichkeiten und des großen Software-Angebots an, um das Geocaching mit größtmöglicher technischer Unterstützung zu betreiben. Ohne Versorgung durch die Autobatterie führt gerade bei PDA-Geräten der hohe Energiebedarf jedoch meist zu einer Laufzeit, die auf wenige Stunden begrenzt ist. Bei längeren Cachetouren kann das oft zu wenig sein und sollte entsprechend berücksichtigt werden. Bei anspruchsvolleren Geocaches stellt das zu bewältigende Gelände zudem häufig erhebliche Anforderungen an die Robustheit der Geräte gegenüber Wasser und Stößen, die PDAs und andere Kleincomputer nicht immer erfüllen können. Dedizierte Outdoor-GPS-Geräte hingegen sind für solche Belastungen ausgelegt.

Die verschiedenen GPS-Geräte bieten sehr unterschiedliche Empfangseigenschaften. Während auf der Straße oder auf dem Wasser alle Geräte sehr präzise ihre Position bestimmen können, haben insbesondere ältere GPS-Geräte im dicht belaubten und nassen Wald oft erhebliche Probleme, eine für das Geocaching brauchbare Genauigkeit zu erreichen oder überhaupt eine Satellitenverbindung aufzubauen. Die Weiterentwicklung der Empfänger-Chips von GPS-Geräten führt jedoch zu immer besseren Empfangseigenschaften auch unter schwierigen Verhältnissen.

Software 

Zur Unterstützung des Geocaching existieren verschiedene Softwarelösungen. Die meisten wurden für tragbare Systeme wie PDAs oder Smartphones entwickelt und dienen der Verwaltung der Caches und ihrer Beschreibungen auf portablen Systemen. Vorteile dieser Programme sind die Speicherung der Cachebeschreibungen und die Unterstützung bei der Auswahl von Caches anhand verschiedener Kriterien, oder die Möglichkeit eines mobilen Zugriffs auf die Geocache-Datenbank. Hierdurch wird kein Ausdruck der Cachebeschreibungen benötigt, wodurch das sogenannte paperless caching möglich ist.

Verwechslungsgefahren 

Die Geheimhaltung des Geocache-Versteckes gegenüber Personen, die nicht mitspielen, ist äußerst wichtig, da der Geocache sonst irrtümlich beschädigt oder verloren gehen kann. Um die Gefahr des unbeabsichtigten Auffindens zu vermeiden, gilt der Grundsatz, einen Cache möglichst nur dann aufzusuchen, wenn keine Muggels in der Nähe sind und den Behälter wieder ordnungsgemäß zu verstecken und zu tarnen. Als Muggles oder Geomuggels werden alle außenstehenden Menschen, die Geocaching nicht kennen, bezeichnet. Der Begriff stammt aus den Harry-Potter-Büchern und bezieht sich dort auf die nicht-magiebegabten Personen.

Weiters kann das Auffinden eines Caches durch Unkundige die Gefahr bergen, dass dieser fälschlicherweise für eine Bedrohung gehalten und beispielsweise ein terroristischer Hintergrund vermutet wird. Dies kann für den Aufsteller des Caches mitunter gravierende Kosten nach sich ziehen. Beispielsweise ist ein Fall dokumentiert, in dem wegen eines Geocaches aufgrund Bombenverdachts eine Schleuse für vier Stunden gesperrt wurde.[12] Ebenfalls wurde Ende Dezember 2006 ein Cache an einer Straßenlaterne als unbekannte Vorrichtung vorgefunden.[13] Im Jahr 2008 haben Caches zu Bombenwarnungen mit anschließenden Polizeieinsätzen an der Autobahn bei Erlangen[14] und in der Wiesbadener Innenstadt[15] geführt.

Geocacher sind üblicherweise darauf bedacht, Caches möglichst unauffällig zu bergen, um diese vor Unbeteiligten zu schützen. Das führt unter Umständen dazu, dass sie sich durch ihr Verhalten selbst verdächtig machen. Trotzdem sind Polizeieinsätze wegen Geocachern seltene Ausnahmen und haben auch meist keine Folgen[16].

Verwandte Themen 

Ähnliche Freizeitbeschäftigungen mit Schwerpunkt auf Wettbewerb sind Geodashing und das Besuchen von Konfluenzpunkten. Geocaching lässt sich auch mit Bookcrossing verbinden. Eine weitere Spielart ist Waymarking, hierbei geht es darum, interessante Punkte in der Natur (zum Beispiel Berggipfel) oder spezielle Gebäude (wie Wassertürme) aufzufinden (zu fotografieren und die Koordinaten zu ermitteln), aber auch weniger spezielle Punkte können geloggt werden (beispielsweise Restaurants). Mehr auf den Wettbewerbsgedanken ausgerichtet ist das Spiel GPS-Challenge, bei dem es um das Ablaufen oder -fahren von Wegpunkten mit Hilfe von GPS in möglichst kurzer Zeit, das sog. Race, geht. Als Überbegriff für positionsbezogene Spiele, die mobile Endgeräte und Technologien wie GPS verwenden, ist auch der englische Begriff ‚Location-based Games‚ gebräuchlich.

 


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